Problemstellung und Ziel
1. September 2009
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Der Extremismus-Begriff ist eine alte Vokabel politik- und sozialwissenschaftlicher Forschung und des politischen Alltagsgeschäfts. Als solche ist er bereits seit mehreren Jahrzehnten Gegenstand breiter und wiederholter Kritik aus sozialwissenschaftlicher Perspektive (im Hinblick auf dessen Kapazität als adäquate Wirklichkeitsbeschreibung) und im politischen Kontext (Vorwurf der Begriffsverwendung als Mittel zur Diffamierung politischer Gegner). Trotzdem zeigt das Modell eine große Überlebensfähigkeit und ist vor allem in gesellschaftlichen Diskursen, Verwaltungspraktiken und politischen Interventionen präsent. Entsprechend werden bestimmte Formen politischer Devianz häufig als „extremistisch“ bezeichnet. Diese Appellation hat deskriptiven und normativen Charakter, aber insbesondere in seiner Funktion als gängiges Analysemodell zur Beschreibung politischer Devianz verführt der Begriff dazu, klare politische Gegner in bestimmten auch sozio-kulturell marginalisierten Gruppierungen zu finden, ohne dass deren z.T. auch in anderen Bevölkerungssegmenten verbreiteten Ansichten als politisch betrachtet würden.
Der Workshop nähert sich einer Systematisierung der ordnenden Effekte des Begriffs in der wissenschaftlichen und administrativen Praxis in zwei Themenblöcken: Einerseits soll „Extremismus“ begriffsgeschichtlich, andererseits administrativ-juridisch analysiert werden. Auf Grundlage dieser Analyse gilt es, auch über alternative wissenschaftliche Zugänge und Begriffe insbesondere in Bezug auf „Rechtsextremismus“ nachzudenken und Möglichkeiten zu entwickeln, diese auch für die praktische (politische, journalistische, etc.) Arbeit fruchtbar zu machen.
Vorläufiges Programm
1. September 2009
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Freitag, 20. November 2009
9:15 - 10:00 Begrüßung und Keynote
- Prof. Dr. Wolfgang Fach
Begrüßung - Forum für Kritische Rechtsextremismusforschung
Begrüßung Anne Dölemeyer, Stefan Kausch, Mathias Rodatz
Einleitung
10.00 - 10.15 Kaffeepause
10.15 - 11.45 Bestandsaufnahme und Kritik des Extremismus-Modells
- Holger Oppenhäuser (Frankfurt a.M.)
Das Konzept (Rechts-)Extremismus in diskurstheoretischer Perspektive - Matthias Falter (Wien)
Critical Thinking beyond Hufeisen
11.45 - 13.15 Mittagspause & Imbiss
13.15 - 14.45 Radikaldemokratische Perspektiven
- Robert Feustel (Leipzig)
Entropie des Politischen. Zur strategischen Funktion des Extremismusbegriffs - Frank Schubert (Leipzig)
Die Extremismus-Polizei: Eine Kritik des extremismustheoretischen Denkens mit Jacques Rancière
14.45 - 15.15 Kaffeepause
15.15 - 17.00 Praktiken I: „Extremismus” in Recht, Kultur und Politik
- Sarah Schulz (Leipzig)
Das herrschaftslegitimierende Potenzial des Extremismusdiskurses am Beispiel des SRP-Urteils des Bundesverfassungsgerichts - Dr. Zoran Terzic (Berlin)
Paradoxien des Extremen: Überlegungen zur Logik der Benennung und der Darstellung radikaler Phänomene in Kultur und Politik
17.00 - 19.30 Pause und gemeinsames Abendessen
19.30 - 21.00 Öffentlicher Abendvortrag (in Kooperation mit Weiterdenken e.V.):
- Dr. Andreas Klärner (Rostock)
Zwischen Militanz und Bürgerlichkeit. Selbstverständnis und Praxis der Extremen Rechtenanschließend Diskussion
Samstag. 21. November 2009
9.00 - 9.45 Keynote
- Dr. Andreas Klärner (Rostock)
„Rechtsextremismus” - Metafunktionen eines Begriffs
9.45 - 11.15 Praktiken II: Verwaltung politisierter Devianz Jugendlicher
- Pascal Begrich (Magdeburg)
„Rowdys” und „negativ-dekadente Personenkreise”: Nachwirkungen der DDR in der Bevölkerung Ostdeutschlands und ihrem Umgang mit Jugendkulturen - Prof. Rebecca Pates, Dr. Daniel Schmidt, Susanna Karawanskij (Projektgruppe „rypp”, Leipzig)
Verwaltungsversuche politischer DevianzDiskussion
11.15 - 11.45 Kaffeepause
11.45 - 13.15 Alternativen I
- Jens Zimmermann (Duisburg)
Völkisch-nationaler Korporatismus - Jörn Hüttmann
„Extreme Rechte”: Tragweite einer Begriffsalternative
13.15 - 14.15 Mittagspause und Imbiss
14.15 - 15.45 Alternativen II
- Stefan Kausch, Gregor Wiedemann (Leipzig)
Differenzierung und Lokalisierung in einem LAP-Handlungskonzept. Alternativen der Problematisierung zwischen “Neonazismus” und “Ideologien der Ungleichwertigkeit”
- Elena Buck (Leipzig)
Keine Gesellschaft ohne Grenzen, keine Politik ohne Gegner: auf dem Weg zu Kriterien demokratischer Grenzziehungen
15.45 - 16.15 Kaffeepause
16.15 - 17.30 Abschlusskommentar und -diskussion
- Dr. Katharina Rothe (Leipzig)
AbschlusskommentarAbschlussdiskussion
